Shabbat Shalom Gymnasium Ismaning

Am Freitagabend gab es in der Aula des Gymnasiums Ismaning eine Premiere. Zum ersten Mal wurde dort mit rund 40 Gästen aus der Schulfamilie eine Schabbatfeier abgehalten. Sie alle ließen es sich nicht entgehen mit Terry Swartzberg von der Initiative Stolpersteine München e. V. und einem weiteren jüdischen Gemeindemitglied, Daniel Stern, dieses stimmungsvolle jüdische Fest zu feiern und so tiefer einzublicken in die jüdische Glaubenspraxis und Kultur. 
Mit dabei waren nicht nur Schulleiter OStD Markus Martini und Alexander Volkmann von der erweiterten Schulleitung, sondern auch zahlreiche interessierte Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Eltern. Zu Beginn betonte Terry Swartzberg wie wichtig es ihm ist mit Veranstaltungen wie der Schabbatfeier Begegnungen zu schaffen zwischen Juden und Nichtjuden und den Menschen ein positives Bild vom jüdischen Leben mitzugeben. Organisiert hatte die Veranstaltung das P-Seminar “Antisemitismus” unter der Leitung von Geschichtslehrerin Elisabeth Nowak und ihrem Schülerteam, die die Zusammenarbeit zu Beginn des Schuljahres mit angestoßen haben.
Zunächst wurden nach strengem Ritual mehrere Gebete gesprochen unter anderem zum Segnen der Kerzen, des Weins oder des selbstgebackenen Brotes. Ebenso wurde das Shehechyanu-Gebet gesprochen, das stets zu besonderen Anlässen gebetet wird. Darüber hinaus war es Terry Swartzberg aber auch ein großes Anliegen den Gästen einen Eindruck der jüdischen Musik und die dadurch vermittelte Lebensfreude zu zeigen. Der Höhepunkt der Feier war natürlich das gemeinsame Essen, hierfür war ein Büffet mit vegetarischen Köstlichkeiten und Häppchen bereitgestellt worden. Zur Abrundung sangen Schülerinnen und Schüler, Lehrer und Gäste noch die beiden Lieder “Hava nagila” und “Oseh Shalom”, ehe die Abendveranstaltung ausklang.

“Wir sind eine Schule der Begegnung und Vielfalt”

Ein Podiumsgespräch der ganz besonderen Art konnten die Schülerinnen und Schüler des ISGY am Mitwoch, 20. März in der Aula erleben. Hier diskutierten vier hochkarätige Referenten über das Thema “Umgang mit Antisemitismus und rechter Hetze”, über das jüdische Leben in Bayern, aber über die dramatischen Auswirkungen durch Hate Speech im Netz und offen ausgesprochenen Judenhass, der noch unverblümter geäußert wird als vor einigen Jahren.
Dabei redeten der Antisemitismusbeauftragte von Bayern und ehemaliger Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle, Buchautor und Hochschullehrer Prof. Bernd Sucher, Projektleiter Terry Swartzberg von der Initiative Stolpersteine München e. V. und der Wissenschafter Dr. Florian Gassner nicht nur über den Stimmungswechsel in der Gesellschaft seit dem Angriffskrieg der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2013. Die Anzahl der antisemitischen Übergriffe wurde von allen Seiten deutlich wahrgenommen. Doch während Bernd Sucher klar äußerte: “Ich gehe nicht mit der Kippa durch die Stadt”, widersprach im Terry Swartzberg. Er trage seit elf einhalb Jahren die Kopfbedeckung bewusst in der Öffentlichkeit und er habe seit dem Krieg im Nahen Osten noch nie so viel Unterstützung und Anteilnahme erlebt, auch von nichtjüdischer Seite.
Ebenso betonten alle wie wichtig die Erinnerungskultur für Deutschland und für die jungen Menschen sei. Viel besser wäre aber nach Ansicht von Prof. Sucher eine “Begegnungskultur” zu schaffen, um die Möglichkeit zum kulturellen und interreligiösen Austausch zu schaffen. Spaenle mahnte auch, dass man auch an die Täter in der Zeit des Holocaust erinnern müsste. “Auch wenn unser Land eine stabile Demokratie ist, hat sich circa eine halbe Million Menschen am Holocaust beteiligt.”
Dr. Gassner verwies darauf, dass es seiner Meinung nach wichtig zum einen die uralte Stereotypen und antisemitische Vorurteile auszuräumen, die vielfach in den Sozialen Medien kursieren. Andererseits aber auch Lust und Interesse an der Begegnung zu wecken. Gerade diese Botschaft griff Schulleiter Markus Martini in seinem Schulwort auf und betonte: “Wir sinde eine Schule der Begegnung und Vielfalt.”

Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage

Das P-Seminar „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ hatte seit Anfang des Schuljahres 23/24 ein Ziel vor Augen: Ein ISGY ohne Rassismus, stereotypische Vorurteilen und andere Arten von Diskriminierung. Diesem Wunsch hat sich die Gruppe mit vollem Einsatz gewidmet. Nach seminar-interner Vorbereitung wurden bereits mehrere erfolgreiche Projekte gestartet.
Eine anfängliche Informationskampagne mit Postern an Infoscreens der Schule sorgte für erste Aufmerksamkeit der Schulgemeinschaft. Am ISGY-Weihnachtsmarkt betrieb das Seminar einen Zuckerwatte-Stand mit Losverkauf, bei welchem es großen Andrang ab. All Dies diente der Vorbereitung der Schule auf die bevorstehende Wahl, bei der 70 % der Schulgemeinschaft dafür stimmen müssen, eine „Schule ohne Rassismus“ werden zu wollen.
Die Wahl wurde vom 19. – 21.02.2024 durchgeführt, wobei die Stimmen gleich im Anschluss ausgewertet wurden.
An der Wahl beteiligten sich 825 von den insgesamt 888 Mitgliedern der Schulgemeinschaft. Davon wiederum stimmten 749 mit „Ja“ (rund 84 %).
Dem Antrag zur Aufnahme ins Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ hat die Bundeskoordination bereits zugestimmt. Nun gilt es einen Paten/eine Patin für das Projekt zu finden und die Titelverleihung am 27.06.2024 zu planen.

Der deutsch-französische Tag am Isgy

Das P-Seminar dt.-frz. Tag hat am 22. Januar 2024 die deutsch-französische Freundschaft am Isgy hochleben lassen. Zu französischer Musik gab es Crêpes sowie französische Spezialitäten am Pausenverkauf. Außerdem hat das Seminar im Foyer Infotafeln aufgestellt und ein Quiz für SchülerInnen und Lehrkräfte erstellt, das gerne bearbeitet wurde. Das P-Seminar freut sich darüber, dass die Ausgestaltung des Tages so gut geklappt hat- vive l’amitié franco-allemande 🙂

 

 

 

 

Jugend debattiert am ISGY

Am 18.01.2024 fand dieses Jahr am ISGY der Schulwettbewerb von „Jugend debattiert“ für die Sekundarstufe I und Sekundarstufe II statt. Bewertet wurden die Halbfinalrunden und Finale jeweils von zu Juror*innen ausgebildeten Schüler*innen der 9.-11. Klasse und JD-Lehrkräften. Die Schulung für die Juror*innen fand dieses Jahr am 11.01.24 am WHG durch Frau Stühler statt. 

Die Klassensieger*innen der beteiligten Klassen nahmen in zwei Runden am Schulwettbewerb teil. Die Halbfinalrunden wurden parallel im Musiksaal und in der Aula ausgetragen. Die Schüler*innen der Sekundarstufe I debattierten zu dem Thema „Sollen Modelcastingshows und Schönheitswettbewerbe in Deutschland verboten werden?“, die Teilnehmer*innen der 11. Klasse befassten sich mit der Themafrage „Soll während der Probezeit beim Führerschein ein Nachtfahrverbot gelten?“ 

In der Sekundarstufe I überzeugten am meisten Helena und Louisa aus der 9a und Sonja und Carla aus der 9b. Nach der Pause lieferten die vier Schülerinnen ein packendes und knappes Finale, in dem sie der Frage „Soll an Kinder und Jugendliche gerichtete Werbung für ungesunde Lebensmittel verboten werden?“ nachgingen.  

Sonja und Carla gingen aus dieser gelungenen Debatte als Siegerinnen hervor und werden das ISGY beim Regionalwettbewerb am 22.02.24 in Markt Schwaben vertreten. 

In der Sekundarstufe II debattierten Nina (11a), Annika (11c), Jeremias und Lukas (beide 11b) im Finale zu der Themafrage „Sollen Toilettenräume an Schulen grundsätzlich genderneutral sein?“ Auch diese vier Kandidat*innen lieferten sich eine spannende Debatte auf hohem Niveau, die alle relevanten Aspekte des Themas beleuchtete. In einer knappen Juryberatung wurden Jeremias und Nina als Sieger*innen festgelegt. Auch sie werden das ISGY beim Regionalwettbewerb in Markt Schwaben für die Sekundarstufe II vertreten. 

Bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Debatten, den Ersatzkandidat*innen, den Juror*innen und dem engagierten Technikteam bedanken wir uns herzlich für einen gelungenen Schulwettbewerb und drücken den Schulsiegerinnen und Schulsiegern die Daumen für den Regionalwettbewerb und die weiteren Runden! 

Keine leichte Entscheidung: Vorlesewettbewerb am ISGY

Die Schüler/innen der sechsten Klassen bereiteten sich in den letzten Wochen fleißig auf den Vorlesewettbewerb vor. Es wurden Bücher gesucht, Cliffhanger ausgewählt und um sinnvolle Betonungen gerungen. Nachdem jede Klasse eine/n Klassensieger/in ermittelt hat, fand am 05.12.2023 der Schulentscheid in der Gemeindebibliothek statt.

Das Prozedere war den Schüler*innen aus den Vorentscheiden schon bekannt: Zunächst wird drei Minuten aus einem selbstgewählten Text eine passende Stelle rezitiert und dann zwei Minuten aus einem fremden Text vorgelesen. Alle Klassensieger/innen nahmen das Publikum, das aus den restlichen Schüler/innen der 6. Klassen bestand, durch die sichere Umsetzung von Lesetechnik und die sinnvolle Interpretation der Texte mit in verschiedene Welten, zum Beispiel in einen besonderen Schuppen oder in ein Hotel, in dem komische

Dinge vor sich gehen. Aus der Reihe Luzifer junior stammte der Fremdtext, von allen Sieger/innen lebendig vorgetragen wurde, sodass es die Jury am Ende nicht leicht hatte, einen Sieger zu küren. In einer kurzen Beratung wurden die Nuancen abgewogen und Herr Martini konnte einen Kandidaten als Besten beglückwünschen, wenngleich die Entscheidung nicht leicht zu treffen war.

Ein herzlicher Dank geht an die Gemeindebibliothek für die Bereitstellung der Räumlichkeiten und das Aussuchen des Fremdtextes, dem Förderverein für die finanzielle Unterstützung der Sieger/innen-Geschenke sowie der Jury, die eine Ermittlung des Siegers erst möglich gemacht hat. Eh

Exkursion des P-Seminars Antisemitismus

Besuch der Jakob-Ohel-Synagoge.

Am 16.11. machte das P-Seminar Antisemitismus in Begleitung ihrer Geschichtslehrkraft Elisabeth Nowak eine Exkursion nach München und besuchte dort die Jakob-Ohel-Synagoge. Die Schüler bekamen eine sehr interessante Führung durch das moderne israelitische Gemeindezentrum am Jakobsplatz, erhielt wissenswerte Einblicke in die jüdische Glaubenspraxis und erfuhr auch mehr zur Erinnerungsarbeit an die 4500 Münchner Opfer des Holocausts. Im Anschluss erkundeten die Schüler das jüdische Museum und die Dauerausstellung Stimme_Orte_Zeiten um mehr zu erfahren über Orte jüdischer Kultur in München in der Vergangenheit und Gegenwart. Zur Abrundung trafen sich die Kursteilnehmer mit Terry Swartzberg von der Initiative Stolpersteine. Sie erfuhren mehr über das namhafte Projekt, durch welches inzwischen mehr als 100.000 Stolpersteine in über 30 Ländern zur Erinnerung an die jüdischen Opfer des NS-Terrors verlegt werden konnten.

Deutsch-französischer Tag 2023: Das Isgy unter den ersten 60

60 Jahre Elysée-Vertrag: die Klasse 10d am Isgy feierte den deutsch-französischen Tag Ende Januar mit einem Quiz zu Napoleon. Hierzu begaben sich die Schüler/innen auf eine Zeitreise mithilfe eines Videos des Historikers Jacques-Olivier Boudon. Da sich das Isgy unter den ersten 60 Teilnehmern befand, gab es vom Institut Français eine kleine Belohnung fürs Mitmachen: u.a. Schlüsselanhänger, Taschen und Poster.

feminism is for everybody

feminism is for everybody

Wie viele historisch relevante Frauen sind Sie / seit Ihr in der Lage aufzuzählen?

Nach Rosa Parks und Angela Merkel wird es für die meisten bereits schwer, und spätestens, wenn wir verzweifelt auf Whitney Houston zurückgreifen, wird uns bewusst, dass wir eigentlich verhältnismäßig wenige Frauen kennen, die unser gesellschaftliches Leben beeinflusst haben. Zumindest wesentlich weniger als Männer. Und kaum eine, die nicht in den letzten hundert Jahren gelebt hat.

Die Ursachen dafür sind vielschichtig. Frauen wurde im Verlauf der Jahrhunderte in den meisten Gesellschaften der Zugang zu Bildung und vielen Bereichen des öffentlichen Lebens verwehrt. Wenn man also keine Schule oder Universität besuchen kann, wie soll man dann wissenschaftliche Arbeiten vollbringen? Wie soll man überhaupt arbeiten, wenn man nicht arbeiten darf? Wieso soll man politisch aktiv werden, wenn man kein Wahlrecht hat? Es gibt also tatsächlich historisch bedingt weniger Frauen als Männer, die gesellschaftlichen Einfluss erlangen konnten, da ihnen schlicht die Möglichkeiten dazu verwehrt wurden. Trotz allem gelang es manchen Frauen sich durchzusetzen und großartige Leistungen zu vollbringen, welche dann allerdings weniger Anerkennung erhielten als die von Männern. So hat beispielsweise Elsa Einstein ihrem Mann Albert bei etlichen Arbeiten große mathematische Unterstützung geleistet, doch nur Albert erhielt den öffentlichen Ruhm. Das ist nur ein Beispiel von vielen, wo Leistungen von Frauen unsichtbar gemacht wurden. Diese Tatsache hat bis heute Gültigkeit. Auch wenn die Gleichstellung der Geschlechter in vielen Ländern vorangeschritten ist, sind patriarchale Strukturen auch in westlichen Ländern noch lange nicht abgebaut und schon gar nicht in den “Entwicklungsländern” oder den sog. „Schwellenländern“.

In etlichen Staaten ist die Möglichkeit zur Schule zu gehen, zu studieren und zu arbeiten für Frauen noch immer eingeschränkt. In der Wissenschaft, Politik und Kultur werden Frauen bis heute oftmals belächelt. Die „Gender Pay Gap“ ist auch heute noch in Deutschland Realität. Wir sind also noch lange nicht dort, wo wir sein müssten, um uns als gleichberechtigte Gesellschaft zu bezeichnen.

Daher haben wir vom Gymnasium Ismaning ein Projekt ins Leben gerufen, welches Frauen und ihren Leistungen ein Gesicht geben soll. Dabei haben Schüler und Schülerinnen der 11. Klasse Graffitis an ein von der Gemeinde zur Verfügung gestelltes Gebäude für die Stromversorgung gesprüht, die die Gesichter von Frauen zeigen, die herausragende politische, wissenschaftliche oder kulturelle Leistungen erbracht haben oder sich noch immer aktiv engagieren. Damit es nicht nur bei den Portraits bleibt, finden Sie hier auf unserer Website zu jeder Frau einen Text, in dem wir kurz ihre Leistungen beschreiben.

„feminism is for everybody“. Und das ist nicht nur so dahingesagt, das meinen wir auch so. Dass Frauen ebenso klug, talentiert und bewundernswert sind wie Männer, das versteht sich von selbst. Würde die Gesellschaft aber insgesamt weiblich konnotierte Charakterzüge weniger ablehnen und würden auch Männer ihre weiblich konnotierten Eigenschaften akzeptieren und vom Zwang befreit werden, ausschließlich männlich gesehene Charakterzüge zu verkörpern, würden wir vermutlich friedlicher und vor allem eben gleichberechtigter zusammenleben. Denn Emotionen und Empathie zu zeigen, sind wichtige, und nicht weibliche Fähigkeiten.

Feminismus dient also nicht nur der Aufhebung des Machtgefälles zwischen Frauen und Männern, sondern auch der Aufhebung der Rollenbilder beider Geschlechter und verhilft so allen zur Chance auf freie Entfaltung.

Wir danken der Gemeinde für die Möglichkeit dieses Projekt verwirklichen zu dürfen und hoffen darauf, für neue Denkanstöße zu sorgen und damit die Leistungen von Frauen wieder ein wenig mehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Zu finden ist unser Kunstwerk am Kreisverkehr Max-von-Eyth-Str. / Oskar-Messter-Str.

 

Sophie Scholl

Sophie Scholl ist wohl eine der bekanntesten Frauen in der deutschen Geschichte. Sie setzte sich zusammen mit ihrem Bruder Hans Scholl und Freunden aus der Ludwig-Maximilians-Universität unter dem Namen „die weiße Rose“ gegen das NS-Regime ein. In ihrer Kindheit und Jugend engagierte sie sich im „Bund deutscher Mädel“ bevor sie sich gegen die NSDAP wendete und nach ihrem Abitur Aufrufe zum Widerstand gegen das Naziregime in München verteilte. Ihr 6. Flugblatt wurde nach Großbritannien geschickt und aus britischen Flugzeugen über ganz Deutschland verteilt. Dies erlebte sie jedoch nicht mehr, da sie bei der Verteilung von 1700 Flugblättern in der Universität zusammen mit ihrem Bruder verhaftet und schon 6 Tage später zum Tode verurteilt wurde. In den Verhören leugnete Sie die Mitschuld ihrer Freunde und nahm die Alleinschuld auf sich. Gemeinsam mit Ihrem Bruder und dem mitangeklagten Freund Christoph Probst wurde Sie am 22.02.1943 enthauptet. Sie starb mit 21 Jahren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Margaret Hamilton

Margaret Hamilton ist eine US-amerikanische Informatikerin und Programmiererin, die 1936 geboren wurde und eine wichtige Rolle bei der Entwicklung einer Software für die Apollo-Missionen zum Mond spielte. Nachdem sie 1954 die Schule abschloss, studierte Hamilton Mathematik und Philosophie und arbeitete danach kurzzeitig als Lehrerin. Daraufhin begann sie damit, in der Abteilung für Meteorologie des Massachusetts Instituts für Technologie (MIT) Software für Wettervorhersagen zu programmieren, arbeitete an einem Projekt mit, das später als Verteidigungssystem des amerikanischen Luftraums diente und qualifizierte sich so für eine Stelle in einer Abteilung, die an den Apollo-Missionen arbeitete. Dabei übernahm die Wissenschaftlerin bald die Leitung eines Teams, das für die Softwareentwicklung der Steuerungs- und Kontrollsysteme des Apollo-Programms zuständig war, wobei sie sich auf die Erkennung von Systemfehlern während des Flugs und eine Lösung im Falle eines Computerabsturzes konzentrierte. Diese von Hamilton und ihrem Team entwickelte Software spielte 1969 in der Apollo-11-Mission eine wichtige Rolle und half dabei, die ersten Menschen sicher auf den Mond und zurückzubringen. Kurz vor der Mondlandung reichte die Rechenleistung des Computers an Bord nämlich nicht mehr, um alle Aufgaben zu erfüllen, weshalb dieser wichtige Funktionen priorisieren musste, um eine Landung zu gewährleisten, was nur dank Hamiltons Software möglich war. Für ihre Arbeit erhielt Hamilton viele Auszeichnungen, darunter die sogenannte „Medaille der Freiheit“, welche ein US-Präsident Zivilpersonen als größte Ehrung verleihen kann.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Audre Lorde (1934 – 1992)

»Ich bin schwarz, lesbisch, Feministin, Kriegerin, Dichterin, Mutter.« So beschrieb Audre Lorde ihre vielfältige Identität und ihr außergewöhnliches Schaffen. Durch ihre das Leben genau beobachtenden und hinterfragenden Gedichte und Essays wurde sie zu einer der wichtigsten Theoretikerinnen der Frauenbewegung der 1970er und 1980er Jahre. Als ein großes Vorbild für junge Feministinnen jeglicher Herkunft und Hautfarbe, lehrte sie uns schon damals neue Denkweisen, die uns heute wie selbstverständlich vorkommen uns jedoch immer noch inspirieren. Vor allem wies sie auf die Notwendigkeit hin, über unsere Unterschiede nachzudenken und uns über diese auszutauschen, damit diese als treibende Kraft wirken und keine Kluft in unsere Gesellschaft schlagen.

 Zitate:

I have come to believe over and over again that what is most important to me must be spoken, made verbal and shared, even at the risk of having it bruised or misunderstood.

(Ich bin zu der Überzeugung gekommen, wieder und wieder, dass das, was mir am wichtigsten ist, ausgesprochen, in Worte gefasst und mit anderen geteilt werden muss, auch auf die Gefahr hin, dass es dabei entstellt oder missverstanden wird.)

When I dare to be powerful to use my strength in the service of my vision, then it becomes less and less important whether I am afraid.

(Wenn ich es wage, kraftvoll zu sein – meine Stärke im Dienst meiner Vision einzusetzen, dann wird es immer weniger wichtig, ob ich Angst habe.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Irene Sendler

Irena Sendler wurde am 15. Februar 1910 in Warschau geboren und arbeitete als Krankenschwester und Sozialarbeiterin. Im zweiten Weltkrieg schleuste sie mehr als 2500 jüdische Kinder aus dem Warschauer Ghetto, die mit gefälschten Ausweisen und neuen Namen in polnischen Familien, Klöstern und Waisenhäusern untergebracht wurden. Am 20. Oktober 1943 wurde sie von der Gestapo verhaftet. Nach ihrer Aussageverweigerung unter Folter, verurteilte man sie schließlich zu Tode. Kurz vor ihrer Hinrichtung konnte sie von der „Zegota“, einer Organisation des polnischen Wiederstandes gegen den Nationalsozialismus befreit werden und lebte bis zum Ende des Krieges unter falscher Identität im Untergrund. Sie starb am 12. Mais 2008 in Warschau. Trotz ihrer bewegenden Geschichte sah sie sich ihr Leben lang nicht als Heldin, sondern lebte nach dem Grundsatz aus ihrer Kindheit, Ertrinkenden stets eine Hand zu reichen.

 

 

 

Marie Ulven Ringheim

Marie Ulven Ringheim, besser bekannt unter dem Künstlernamen „Girl in Red“, ist eine norwegische Indie-Pop Sängerin, Songwriterin und Produzentin, die erstmals mit ihrem Song „I wanna be your girlfriend“ an Bekanntschaft gewann. Danach gewann sie immer größere Beliebtheit auf Instagram und TikTok in der queeren Community, unter anderem durch die Songs „We fell in love in October“ und „girls“. Besonders für junge queere Leute ist sie wichtig und mittlerweile zur Ikone geworden. Ihre Lieder handeln größtenteils von gleichgeschlechtlichen Beziehungen- z.B. in ihrem Lied „girls“, in dem sie eine Erfahrung anspricht, die von vielen queeren Leuten geteilt wird, die sich in ihrem Umfeld geoutet haben. Oft hören diese die Phrasen „Es ist nur eine Phase“ (vgl. die Lyrics „No, this is not a phase“) oder „Da wächst du raus“ (vgl. die Lyrics “Or a coming of age“) oder fühlen sich unsicher gegenüber dem coming out. Ihr Einfluss, vor allem auf die lesbische Community, ist so groß, dass die Frage „Do you listen to girl in red?“ als Code benutzt wird, um zu fragen, ob eine weibliche Person auf Frauen steht. In Folge wurde sogar ein Projekt gestartet, bei dem Plakate mit eben dieser Frage in Großstädten weltweit aufgehängt wurden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Walentina Wladimirowna Tereschkowa

Walentina Wladimirowna Tereschkowa ist eine ehemalige sowjetische Kosmonautin. Sie war im Jahre 1963 die erste Frau im Weltraum und ist die einzige Frau in der Raumfahrtgeschichte, die allein, also auf einer Solo-Mission, flog. Mit Juri Gagarin landeten die Russen 1961 ihren großen Coup: Er war der erste Mann im All, jetzt sollte ihm eine Frau folgen. Dafür setzte sich Regierungschef Nikita Chruschtschow persönlich ein und ließ nach einer einfachen Arbeiterin suchen. Ihr Höhenflug sollte zeigen, dass im Sozialismus jedem alle Wege offen stehen – auch bis ganz nach oben, bis zu den Sternen. Aus Tausenden von Bewerberinnen wurde letztlich Valentina Tereschkowa ausgewählt. Am 16. Juni 1963 startete die sowjetische Kosmonautin Valentina Tereschkowa mit dem Raumschiff Wostok 6 in den Kosmos. Der erste Flug einer Frau ins Weltall war gleichzeitig auch der erste Gruppenflug zweier Raumschiffe. Zwei Tage zuvor, am 14. Juni, war Waleri Bykowski mit Wostok 5 gestartet. Am 19. Juni 1963 landeten beide Kosmonauten unversehrt an unterschiedlichen Orten in der Nähe von Karaganda in Kasachstan. Fr. Tereschkowa ist heute für die Partei „Einiges Russland“ Abgeordnete der Staatsduma. Am 10. März 2020 beantragte sie dort erfolgreich eine Verfassungsänderung zur Lockerung der Amtszeitbegrenzung des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Seit der Ukraine-Invasion unterliegt sie als Dumamitglied den westlichen Sanktionen. So darf sie nicht in die EU einreisen.

Wir distanzieren uns ausdrücklich von Ihrer politischen Haltung und Meinung, insbesondere der Unterstützung des Angriffskrieges Russlands in der Ukraine und möchten hier ausschließlich ihre feministische wissenschaftliche Leistung würdigen.

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Rosalind Franklin

Rosalind Franklin wurde am 25.07.1920 in London geboren und war eine britische Biochemikerin. Sie war mit Francis Crick, James Watson und Maurice Wilkins an der Strukturaufklärung der DNA beteiligt, doch Rosalinde wurde als einzige der vier Kollegen nicht mit dem Nobelpreis ausgezeichnet, obwohl sie den größten Teil dazu beigetragen hat. Außerdem verfeinerte sie die Röntgenstrukturanalyse und konnte somit eine Aufnahme der Blaupause des Lebens machen. Diese Entdeckung wurde von ihren Kollegen ohne ihr Wissen veröffentlicht. Auch sorgte sie für Fortschritte in der Virenforschung, wofür auch andere den Preis erhielten, den sie verdient hätte. Von ihren Kollegen, die für ihre Arbeit den Nobelpreis erhielten, erwähnte nur Aaron Klug, der mit ihr an der Aufklärung von Pflanzenviren beteiligt war, dass sie auch einen Preis verdient hätte. Sie starb am 16.April 1958 an einer Krebserkrankung, die wahrscheinlich durch Röntgenstrahlen während der Forschung verursacht worden war.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Inna Schewtschenko

Inna Schewtschenko ist eine prominente Aktivistin der ukrainischen feministischen Gruppe Femen und wurde am 23. Juni 1990 in Cherson, in der Ukraine, geboren. Die Tochter eines Offiziers studierte von 2008 bis 2012 Journalistik an der Universität in Kiew. 2009 schloss sie sich Femen, einer feministisch definierten Gruppe, an. Bei einer Protestaktion der Gruppe in der belarussischen Hauptstadt Minsk wurde Schewtschenko, gemeinsam mit zwei anderen Aktivistinnen, im Dezember 2011 verhaftet, misshandelt und mit dem Tode bedroht. Am 17. August 2012 fällte Schewtschenko, nur mit roten Hotpants bekleidet, im Rahmen einer Solidaritätsaktion mit der russischen Band “Pussy Riot” mit einer Motorsäge ein großes Holzkreuz im Zentrum von Kiew, angeblich als Protest gegen die russisch-orthodoxen Kirche. Allerdings war dieses Kreuz von der griechisch-katholischen Kirche zum Gedenken an die Opfer der Stalinistischen Repression aufgestellt worden. Die ukrainischen Behörden ermittelten daraufhin gegen Schewtschenko sowie andere an der Aktion beteiligte Aktivistinnen. Am 5. September 2012 wurde auf der Femen-Webseite berichtet, Schewtschenko habe die Ukraine verlassen und halte sich nun in Frankreich, wo sie mittlerweile Asyl erhielt, auf. Sie sei in der Ukraine einer andauernden Überwachung durch den Geheimdienst SBU ausgesetzt gewesen und man habe ihre Verhaftung befürchtet. Heute nutzt Inna Schewtschenko ihre Stimme und ihre sozialen Netzwerke, um die Kriegsverbrechen Russlands in ihrem Heimatland, der Ukraine, anzuprangern.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Navanethem Pillay

Sie wurde am 23 September 1941 in Durban, Südafrika geboren und erhielt  aufgrund von guten schulischen und außerschulischen Leistungen ein Stipendium, das es ihr ermöglichte, an der “University College for Indians ” zu studieren. Sie entschied sich für ein Jurastudium, obwohl ihr davon stark abgeraten wurde, weil es schwarzen Anwälten zu diesem Zeitpunkt verboten war, Anweisungen an weiße Mitarbeiter zu geben, so dass kaum eine Kanzlei schwarze Anwälte einstellte. Leider bewahrheiteten sich die Warnungen, weswegen Navanethem Pillay 1976 als erste schwarze Frau eine eigene Kanzlei eröffnete, wo sie für faire Prozesse, Opfer von Rassentrennung und Frauenrechte kämpfte. Später wurde sie auch an der Universität Harvard angenommen, wo sie 1988 als erste nicht weiße Südafrikanerin den “Doktor der Rechte ” erreichte. 1992 wurde sie zur Mitgründerin der Frauenrechtsorganisation Equality Now, wo sie sich für die Verankerung von Freiheits- und Bürgerrechten in der Verfassung Südafrikas einsetzte. Der endgültige Durchbruch gelang ihr 1995, als die Rassentrennung endlich aufgehoben, und Pillay als erste nichtweiße Frau zur Richterin am Obersten Gerichtshof Südafrikas ernannt wurde. Noch im selben Jahr wurde Sie daraufhin als Richterin der Anklageabteilung an den zur Aufarbeitung des Völkermords von 1994 neu eingerichteten Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda abgeordnet. 2003 wechselte Sie auf Wunsch der afrikanischen Staatengruppe an den internationalen Strafgerichtshof nach Den Haag. Seit 2008 bekleidet Sie die Position der Hohen Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anne Wizorek

Anne Wizorek ist am 5. Mai 1981 in Rüdersdorf bei Berlin geboren und wuchs auch dort auf. Sie ist eine deutsche Feministin und wurde durch ihre Tweets zum Hashtag #aufschrei und die damit ausgelöste Debatte über Sexismus im Jahr 2013 bekannt. Sie studierte Neuere Deutsche Literatur und Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin und Skandinavistik an der Humboldt-Universität, schloss das Studium aber nicht ab. Stattdessen eröffnete sie ein Twitteraccount mit dem Namen @marthadear und postete aktiv Statements. Vom 24. auf den 25. Januar 2013 verwendete sie zusammen mit anderen Feministinnen den Hashtag #aufschrei, der auf Sexismus und sexueller Gewalt gegen Frauen hinwies, um die mediale Debatte über Alltagssexismus voranzutreiben. Dieser Hashtag wurde am 21. Juni 2013 als erster Hashtag mit dem Grimme Online Award in der Kategorie „Spezial“ ausgezeichnet. Außerdem führte Anne Wizorek mit Juliane Leopold bis 2018 einen Blog mit dem Namen „kleinerdrei“ und war von 2015 bis 2017 Mitglied der Sachverständigenkommission für den Zweiten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung sowie Botschafterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes im Themenjahr gegen Geschlechterdiskriminierung. In der Silvesternacht 2015 fanden einige sexuelle Übergriffe statt, die sie zu dem neuen Hashtag #Ausnahmslos gegen Sexismus und Rassismus anregte. Zusätzlich veröffentlichte sie zwei Bücher, das erste 2014 mit dem Titel „Weil ein Aufschrei nicht reicht. Für einen Feminismus von heute“. Und das zweite veröffentlichte sie zusammen mit Hannah Lühmann, mit dem Titel „Gendern?! : Gleichberechtigung in der Sprache – ein Für und ein Wider.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bärbel Bohley

die am 24. Mai 1945 in Berlin geboren wurde, war eine Bürgerrechtlerin der DDR und Malerin. Nach ihrem Abitur absolvierte sie eine Ausbildung als Industriekauffrau und arbeitete daraufhin als Lehrausbilderin. Später studierte sie an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, wo sie 1974 einen Diplomabschluss als Malerin erhielt, und war anschließend als freischaffende Künstlerin tätig. 1979 wurde sie zum Mitglied des Verbandes Bildender Künstler der DDR (VBK). 1982 war sie Gründungsinitiatorin des unabhängigen Netzwerkes „Frauen für den Frieden“, woraufhin sie aufgrund ihres Engagements in der Friedensarbeit aus dem Bezirksvorstand des VBK ausgeschlossen wurde. Zudem kam sie wegen angeblicher „landesverräterischer Nachrichtenübermittlung“ in Berlin-Hohenschönhausen in Untersuchungshaft. Als Grund dafür galt unter anderem ihr Kontakt zu den Grünen in der BRD und sie durfte als Konsequenz ihre Werke nicht mehr öffentlich stellen. In den 80er Jahren setzte sich Bohley verstärkt für die Durchsetzung grundlegender Rechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit ein und wurde von der Geheimpolizei zu den gefährlichsten Gegnern der DDR gezählt. Als Initiatorin der Bürgerrechtsbewegung Neues Forum, welches schnell über 250.000 Unterstützer fand, war sie 1989 Erstunterzeichnerin des Aufrufs „Die Zeit ist Reif“, welcher grundlegende Veränderungen forderte. Gemeinsam mit anderen BürgerrechtlerInnen erstritt sie im September 1990 die Öffnung der Stasi-Akten. Für ihre Verdienste um die friedliche Revolution in der DDR und deutsche Wiedervereinigung wurde Bohley 1994 mit dem Bundesverdienstkreuz und im Jahr 2000 mit dem Nationalpreis ausgezeichnet. Ab 1996 arbeitete sie im damaligen Jugoslawien an Möglichkeiten der Flüchtlingsrückkehr und dem Wiederaufbau und lebte lange Zeit in Kroatien. Nachdem sie 2008 von ihrer Lungenkrebserkrankung erfuhr, kehrte sie zurück nach Berlin um sich behandeln zu lassen und hielt in ihren letzten zwei Lebensjahren Vorträge, mit denen sie auf die Kraft der friedlichen Revolution und bestehende Demokratiedefizite hinwies.

 

 

 

Alice Salomon

Alice Salomon wurde 1872 in eine wohlhabende jüdische Kaufmannsfamilie in Berlin geboren. Sie beschrieb ihr Elternhaus als liberal und weltoffen, was sie mit Sicherheit stark prägte. Schon früh entwickelte sie den Wunsch Lehrerin zu werden, doch Mädchen hatten zur damaligen Zeit kein Recht ein Gymnasium oder eine Universität zu besuchen. Sie sah sich in ihrer Entfaltung gehindert und erkannte die Ungerechtigkeit darin. Auch wollte sie nicht heiraten und so beschloss sie, wenigstens eine der wenigen Bildungsmöglichkeiten für Frauen wahrzunehmen: die Kunstschule für Nadelarbeit. Der Wendepunkt, an dem sie begann, ihre eigentliche Bestimmung auszuleben, waren die „Mädchen- und Frauengruppen für soziale Hilfsarbeit“, denen sie 1893 beitrat. Dort engagierte sie sich für junge Fabrikarbeiterinnen, die unter prekären Arbeitsbedingungen arbeiteten und so an Mangelernährung und Krankheiten litten.  Bald darauf gelangte sie in hohe Positionen im Bund Deutscher Frauenvereine, der Vorsitz des Bundes wurde ihr jedoch wegen ihrer jüdischen Herkunft verwehrt, was sie tief traf. In den folgenden Jahren gründete sie unzählige soziale Initiativen, wie beispielsweise Mädchenhorte und Arbeiterinnenheime. Im Zuge der preußischen Mädchenschulreform rief sie die Soziale Frauenschule Berlin ins Leben, die die erste interkonfessionelle, zweijährige Ausbildung für Soziale Arbeit anbot. Auch an den großen internationalen Kongressen der internationalen Frauenbewegung, dem International Council of Women (ICW) in London 1899 und Berlin 1904 nahm sie teil und wurde 1909 auf der Versammlung in Toronto zur Schriftführerin gewählt. Als die Universitäten für Frauen geöffnet wurden, fing sie sogleich an Philosophie, Geschichte und Nationalökonomie zu studieren. Schließlich promovierte sie mit einer Arbeit über die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen. Im Jahr 1925 gründete Alice Salomon mit Kolleginnen das erste Forschungsinstitut der Sozialen Arbeit in Deutschland, die Deutsche Akademie für soziale und pädagogische Frauenarbeit, die der Weiterbildung von Frauen für Führungspositionen in der Sozialen Arbeit dienen sollte. Nebenbei engagierte sie sich im Internationalen Frauenrat und besetzte noch viele weitere wichtige Positionen in Schulverbänden. Sie wurde zu einer wortführenden Person in der internationalen Frauenbewegung, knüpfte viele Kontakte und publizierte. Im Jahre 1933 wurde sie vom nationalsozialistischen Regime gezwungen alle ihre öffentlichen Ämter niederzulegen und ihr Doktortitel wurde ebenfalls aberkannt. Obwohl sie schon vor langer Zeit zum Protestantismus konvertiert war, verwies die Gestapo sie 1937 des Landes, woraufhin sie in die USA emigrierte. Dort starb sie 1948 in New York.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Marina Wladimirowna Owsjannikowa

Marina Wladimirowna Owsjannikowa ist eine russische Journalistin, die beim russischen Fernsehsender Channel One (Perwy Kanal) angestellt war. Sie arbeitete seit Anfang der 2000er Jahre für Russlands wichtigste Abendnachrichtensendung Vremya auf Channel One. Owsjannikowa erlangte internationale Bekanntheit durch einen Anti-Kriegs-Protest während einer Live-Sendung am 14. März 2022, 19 Tage nach Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine. Dabei wies sie auf die vom Perwy Kanal verbreitete Propaganda der russischen Staatsführung hin. Owsjannikowas Aktion war eine von mehreren Protesten gegen den russischen Überfall auf die Ukraine 2022 von oder in russischen Medien. Sie lief während eines Beitrags über die Invasion in der Ukraine in den Hauptnachrichten ihres Senders an einem stets anwesenden Polizisten vorbei ins Studio, stellte sich hinter die Nachrichtensprecherin und hielt ihr ausgerolltes Plakat in die Kamera. Das Plakat zeigte neben kleinen ukrainischen und russischen Flaggen die englischen und russischen Aufschriften:

“NOWAR
Остановите войну
не верьте пропаганде
здесь вам врут
RUSSIANS AGAINST WAR”

„Kein Krieg
Beenden Sie den Krieg
Glauben Sie der Propaganda nicht
Hier werden Sie belogen
Russen gegen den Krieg“

Dazu rief sie: «Остановите войну! Нет войны!» („Beendet den Krieg! Kein Krieg!“)

Die Studioaufnahme wurde fünf Sekunden nach dem Beginn des Auftritts durch einen Einspieler-Beitrag unterbrochen. Am Tag vor der Aktion hatte Owsjannikowa ein Video mit einer persönlichen Erklärung aufgenommen, das sie nach der Aktion auf Facebook veröffentlichte. Darin bekundete sie ihre Scham, über Jahre für die russische Staatspropaganda beim Fernsehsender Perwy Kanal gearbeitet zu haben, und rief zum offenen Protest gegen den Krieg auf. Daraufhin wurde sie verhaftet und musste im Nachhinein eine Geldstrafe zahlen. Owsjannikowa reiste im Anschluss nach Deutschland aus, kehrte aber dann wegen einem Sorgerechtsverfahren für ihre Kinder, das ihr Mann angestoßen hatte, wieder nach Moskau zurück. Wiederholt protestierte Sie dort öffentlich gegen den Krieg, zahlte weitere Geldstrafen und wurde schließlich unter Hausarrest gestellt. Diesen verließ Sie im Oktober 2022 mit ihrer 11jährigen Tochter in ein EU-Land. Noch am selben Tag wurde das Sorgerecht für den 17jährigen Sohn dem in Moskau lebenden Vater zugesprochen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hedy Lamarr

Hedy Lamarr wurde am 9. November 1914 als Hedwig Eva Maria Kiesler in Wien geboren. Bekannt ist sie hauptsächlich als Schauspielerin. Ihr Film „Ekstase“ von 1933 war aufgrund seiner Nacktszenen ein Skandal. Aber nicht nur die zehnminütige Nacktszene – ein Bad in einem See und der anschließende Gang nackt durch einen Wald – sorgte für Aufsehen, sondern vor allem eine Liebesszene, in der lediglich ihr erregtes Gesicht zu sehen war – sie spielte als erste Frau überhaupt einen weiblichen Orgasmus. Im nationalsozialistischen Deutschland wurde der Film deshalb verboten. Da sie zudem aus einer jüdischen Familie stammte, emigrierte sie 1937 nach London und anschließend in die USA. Durch Filme wie „Algiers“ oder „Take this Woman“ wurde Sie in Hollywood eine der berühmtesten und meistbewunderten Frauen. Was viele nicht wissen: Hedy Lamarr war neben ihrer Schauspielkarriere auch Erfinderin. Sie entwickelte ab 1940 eine Funkfernsteuerung für Torpedos, um den Alliierten im 2. Weltkrieg zu helfen. Das fertige Produkt präsentierte sie im Jahr 1942 dem „National Inventors Council“. Auch wenn diese Erfindung nicht im Krieg eingesetzt wurde, ist sie dennoch relevant. Die entwickelte Technik wurde und wird immer noch in der Kommunikationstechnik, wie z.B. bei Bluetooth, verwendet. 1997 gewann Hedy Lamarr den „Electronic Frontier Foundation Pioneer Award“ und 2014, bereits nach ihrem Tod, wurde Sie in die „National Inventors Hall of fame“ aufgenommen. Was ihr Privatleben anbelangt, war sie mehrere Male verheiratet und bekam drei Kinder. Sie starb am 19.01.2000 in Florida.

 

 

Ein Hauch von Weltdiplomatie am ISGY

Am 12. und 13. Juli fanden sich die Klassen 10b und 10c in der Aula des Gymnasiums ein, um im Rahmen eines Planspiels die Vereinten Nationen zu simulieren. In Anlehnung an das NMUN-Planspiel (National Model United Nations), das an zahlreichen deutschen Universitäten einen festen Platz hat, übernahm jede*r Schüler*in die Rolle eines zufällig zugelosten Landes: neben großen und bekannten Ländern wie Frankreich, Großbritannien oder Kanada waren auch die ehrenwerten Delegierten aus Madagaskar, Kenia und anderen oftmals nicht so beachteten Ländern vertreten.

Bevor die Generalversammlung der Vereinten Nationen aber eröffnet werden konnte, lernten die Klassen im Verlauf des zweiten Halbjahres alles über die Geschichte, die Aufgaben, die Ziele aber auch die Probleme und Hindernisse der UNO. Um optimal auf die Konferenz vorbereitet zu sein, erstellte jede*r Schüler*in vorab ein Positionspapier, indem der jeweilige Länderstandpunkt zu den Themen Klimawandel und Global Zero deutlich wurde.

Waren die Nachwuchsdiplomat*innen bei den anfänglichen Eröffnungsreden doch noch etwas nervös, fanden sie sich schnell in ihre Rollen ein und rangen in informellen Sitzungen um die bestmöglichen Lösungen. Sie stellten dabei fest, dass Politik nicht so einfach ist, wie es auf den ersten Blick erscheint: treffen viele Interessen aufeinander, muss -oftmals in zähen Verhandlungen – ein Kompromiss gefunden werden, um Fortschritte machen zu können. Eine gewonnene Einsicht, die nicht nur für das Gelingen von Verhandlungen zentral ist.

  1. Schiller